Willy-Beutz-Schauspielpreis vergeben

Theater in Osterholz-Scharmbeck errang den ersten Preis

Die glücklichen Sieger
v.l. René Schack (Regie), Rolf Renken Neuenburg, Herwig Dust (NBB), Arnold Preuß (Laudator), Ulf Goerges (Regie), Dirk Wieting, Delmenhorst, Bernd Schröter (Regie) Astrid Gries (Osterholz-Scharmbeck)

Foto: Andreas Tietjen OHZ

Es war eine würdige und dem Anlass entsprechende, feierliche Veranstaltung auf Gut Sandbeck in Osterholz-Scharmbeck, auf der der Willy-Beutz-Schauspielpreis zur Förderung des Niederdeutschen Schauspiels vergeben wurde.

Dieser Preis, der insgesamt mit 6.000 Euro dotiert ist, wird alle zwei Jahre durch den Niederdeutschen Bühnenbund Niedersachsen und Bremen (NBB) vergeben. Der Stifter, Willy Beutz, lebte von 1912 bis 1986 als Verlagskaufmann und Mäzen in Wilhelmshaven. Von 1945 bis 1982 leitete er das heutige „Theater am Meer“. Von 1961 bis 1986 war er Präsident, später Ehrenpräsident des Niederdeutschen Bühnenbundes Niedersachsen und Bremen.

Eine unabhängige Jury (Marianne Römmer Hamburg, Lore Timme-Hänsel Oldenburg, Alexandra Schlenker Verden, Wolfgang Neruda Norderstedt und Arnold Preuß Wilhelmshaven) hat in den zurückliegenden zwei Jahren sieben Inszenierungen begutachtet und bewertet.

Das Niederdeutsches Theater Aurich mit dem Stück „As in’t Himmel“, von Kay Pollak, Regie: René Schack, das Niederdeutsche Theater Delmenhorst mit dem Stück „Tiet to leven“ von Michael Wempner, Regie: Ulf Goerges, die AHB Oldenburg mit „Honnig in’n Kopp“ von Hilly Martinek und Til Schweiger, Regie: Ayla Yeginer, die Niederdeutsche Bühne Varel mit „De Moorkatenoper“ von Gerhard Loew, Regie: Anke Hempel, die Friesenbühne Emden mit  „Wat ist mit Lisa“, von Robert Thomas, Regie: Werner Nörtker und Birgit Frerichs, das Niederdeutsche Theater Neuenburg mit dem Stück „De Höll töövt nich“ von Michael Cooney, Regie: René Schack, das Theater in Osterholz-Scharmbeck mit „Chalies Weg“ von Michael McKeever, Regie: Bernd Schröter.

Arnold Preuß, Prädident des NBB und Mitglied der Jury, hob in seiner Laudatio die hervorragenden schauspielerischen Leistungen und Inszenierungen der beteiligenden Bühnen und Theater hervor. Alle Aufführungen waren preiswürdig und außergewöhnlich.

Knappe Entscheidungen haben folgendes Ergebnis gebracht:

1. Preis

Theater in Osterholz-Scharmbeck (TiO) mit dem Schauspiel „Charlies Weg“ 

von Michael McKeever, Deutsch von Frank-Thomas Mende, Niederdeutsch von Werner Mahlendorf, Regie: Bernd Schröter

  1. Preis

Niederdeutsches Theater in Neuenburg mit dem Schauspiel „De Höll töövt nich

von Michael Cooney, Niederdeutsch von Arnold Preuß, Regie: René Schack

  1. Preis

Niederdeutsches Theater Delmenhorst (NTD) mit dem Schauspiel „Tiet to leven“

von Michael Wempner, Regie: Ulf Goerges

Arnold Preuß bedanke sich herzlich bei den anwesenden Mitgliedern der teilnehmenden Bühnen und Theatern für ihre Teilnahme an diesem Wettbewerb. Besonderer Dank galt dem Theater in OHZ, das die Veranstaltung unter koronabedingten Vorgaben hervorragend vorbereitet und durchgeführt hat.

Das beigefügte Foto der Preisverleihung zeigt:
v.l. René Schack (Regie), Rolf Renken Neuenburg, Herwig Dust (NBB), Arnold Preuß (Laudator), Ulf Goerges (Regie), Dirk Wieting, Delmenhorst, Bernd Schröter (Regie) Astrid Gries (Osterholz-Scharmbeck)

 Die Laudatio finden Sie unter Menüpunkt Willy-Beutz-Preis

Am 23. Juni traf sich die Jury des Willy-Beutz-Schauspielpreises im INS Bremen zur Schlussbesprechung (v.l. Marianne Römmer, Lore Timme-Hänsel, Arnold Preuß, Alexandra Schlenker, Wolfgang Neruda). Die Preisverleihung findet am 12. Juli 2020 auf Gut Sandbeck in Osterholz-Scharmbeck statt.

RUDI PLENT, EIN LEBEN FÜR DIE KUNST

„Ich bleibe nur eine Spielzeit hier im Norden“ sagte der aus Österreich kommende Rudolf (Rudi) Plent 1968 dem damaligen Generalintendanten des Oldenburgischen Staatstheaters, Harry Niemann.

Es wurden dann über 50 Jahre für den 1939 am Wolfgangsee (Österreich) geborenen Rudolf Plencner, wie er mit bürgerlichem Namen hieß. Nachdem er zunächst eine Schreinerlehre begonnen und abgeschlossen hatte, besuchte er von 1957-1959 die Schauspielschule in Linz und das Mozarteum in Salzburg. Der Weg in den Norden führte ihn dann von Linz über St. Pölten, Mainz und Frankfurt nach Oldenburg.

Mit Rudi Plent, wie er hier im Norden wunschgemäß gerufen wurde, hat die Norddeutsche Theaterwelt einen überaus sympathischen, liebevollen, kreativen und kenntnisreichen Schauspieler, Regisseur, Autor und Freund verloren.   

Nach seiner Verpflichtung am Oldenburgischen Staatstheater, wo er 18 Jahre engagiert war, fand er seine Berufung und sein Betätigungsfeld in der freien Theaterszene.

Trotz seiner österreichischen Herkunft, verbunden mit seinem charismatischen Dialekt, erfreute ihn die Regionalsprache Niederdeutsch zunehmend. Damit war der Weg frei für unzählige Inszenierungen im Bereich der Niederdeutschen Theater. Allein für die August-Hinrichs-Bühne am Oldenburgischen Staatstheater inszenierte er zwischen 1973 und 2006 über dreißig Mal.

Der Weg führte ihn zu den Bühnen und Theatern der Niederdeutschen Bühnenbünde Niedersachsen/Bremen und Schleswig-Holstein. Er übernahm unzählige Inszenierungen, leitete Seminare und Weiterbildungsmaßnahmen. Die Bereiche Schauspielausbildung, Phonetik, Regie und Körpersprache lagen ihm besonders am Herzen.

Viele seiner erfolgreichen Inszenierungen wurden preisgekrönt oder für das Fernsehen aufgezeichnet. Sechs seiner Inszenierungen erhielten den Willy-Beutz-Schauspielpreis zur Förderung des Niederdeutschen Schauspiels, der alle zwei Jahre vom Niederdeutschen Bühnenbund Niedersachsen/Bremen vergeben wird

Seine beeindruckende Bilanz von über 250 Inszenierungen sind ein Beleg für seine immer wieder kehrende Bereitschaft, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Viele Schauspieler*innen verdanken ihren Karrierebeginn oder den Zugang zum Theater der sehr menschlichen und psychologischen Arbeits- und Herangehensweise von Rudi Plent. Begeisterung vermitteln, individuelle Fähigkeiten erkennen und fördern, gehörten zu seinen besonderen Fähigkeiten.

Bild: NWZ Heiner Otto

Seine große Leidenschaft galt auch dem Freilichttheater. Er war an vielen Orten nicht nur Regisseur oder Schauspieler, sondern wurde immer wieder mit der künstlerischen Leitung beauftragt. (Bad Bentheim, Meppen, Porta-Westfalica). In Westerstede hat er als Regisseur und künstlerischer Leiter für die Theaterfreilichtgemeinschaft großartige und sehenswerte Inszenierungen in hoch – und niederdeutsch für Kinder und Erwachsene inszeniert. Mit seiner Frau Christa Plencner geb. Düx, die 2019 einem Krebsleiden erlag, baute er zwischen 1992 und 2012 ein vielbeachtetes und über die Grenzen Westerstedes hinausgehendes Freilichttheater auf.

Mit einer unbändigen Energie, Leistungsbereitschaft und Leidenschaft arbeitete er gleichzeitig an mehreren Bühnen und Theatern. Immer wieder gepackt vom Virus des Theaters und aus persönlicher Überzeugung, suchte er ständig neue Herausforderungen. Leidenschaftlich und mit einer nicht enden wollenden Theaterbesessenheit spielte und inszenierte sich Rudi Plent durch die norddeutsche Theaterwelt.

                        Foto: Jörg Hemmen

Diese Bereitschaft und Willenskraft blieb leider nicht ohne Folgen. Eine Krebserkrankung 2004 forderte ihren Tribut.  Doch selbst dieses Hemmnis begegnet er mit Kraft und Energie. Für ihn gab es deshalb nur eine Therapie, weiter auf den Bühnen und in den Theatern seiner Leidenschaft zu folgen.

Seiner letzten großen Herausforderung stellte sich Rudi Plent 2015 in dem Zwei-Personenstück „Der alte König in seinem Exil“, das er zusammen mit Uwe Bergeest (Foto) erfolgreich in der Oldenburger Kulturetage aufführte.

Nach dem Tod seiner Ehefrau Christa 2019 verlor Rudi Plent zunehmend seinen Lebensmut und kam in ein Pflegeheim für Menschen mit einer Demenzerkrankung.

Auch hier unterhielt er seine Mitbewohner*innen auf seine ureigenste und charmante Art und Weise mit Rezitationen und musikalischen Werken am Klavier.

Sein letzter Wunsch, den er während seiner schweren Krankheit geäußert hat, „Frei zu sein wie ein Vogel“, ist am 30. Mai 2020 in Erfüllung gegangen.  

                                                                                                                                  Herwig Dust

Spielbetrieb eingestellt

Die Mitgliedsbühnen – und Theater des Niederdeutschen Bühnenbundes Niedersachsen und Bremen haben ihren Spielbetrieb bis auf Weiteres eingestellt. 


Der Bühnenbund sagt Veranstaltungen ab.

Der Bühnenbund Niedersachsen und Bremen e.v. (NBB) hat sich entschieden, angekündigte Veranstaltungen auf Grund der allgemeingültigen Verordnungen und der nichtplanbaren Zukunft, abzusagen bzw. zu verschieben

Dazu gehören u.a.:  Die Tagung der Bühnenleitungen des NBB und die Vergabe des Willy-Beutz-Schauspielpreises am 9. Mai 2020 in Wilhelmshaven, das Theaterfestival für „Neue Niederdeutsche Dramaturgie“ vom 15. -17. Mai 2020 in Delmenhorst (verschoben auf 2021) und das Jugendtheaterfestival des NBB vom 3. -5. Juli 2020 in Emden. (verschoben auf 2021)

Der Spielbetrieb der 16 Mitgliedsbühnen – und Theater wurde bereits komplett eingestellt.

Der Seminarkalender 2020 ist fertiggestellt und unter Seminare eingestellt

Die Jahresstatistik des Niederdeutschen Bühnenbundes Niedersachsen und Bremen e.V. für das Kalenderjahr 2019 können Sie hier einsehen