
Wilhelmshaven. Von außen betrachtet herrscht am Theater am Meer derzeit noch sommerliche Ruhe. Das Theaterbüro hat seine Türen noch geschlossen, die Spielzeit 2026/27 steht erst vor der Tür. Doch hinter den Kulissen wird längst wieder gearbeitet: Das Ensemble probt bereits für die erste Inszenierung der neuen Saison, „Sonny Boys“ von Neil Simon in der Regie von Talke Wittig, die damit ihr Regiedebüt am Theater am Meer gibt. Premiere ist am 19. September 2026.Und auch das Programm für den Tag der offenen Tür am Sonntag, 6. September, von 11 bis 17 Uhr nimmt immer konkretere Formen an. Mit seinen beliebten „Spielzeithäppchen“ wird das Theater am Meer dann einen unterhaltsamen und szenischen Vorgeschmack auf die neue Spielzeit geben. Rund um und im Haus sind zudem zahlreiche weitere Aktivitäten geplant.
Für ein Wochenende war jetzt allerdings nicht Schauspiel, sondern vor allem Gesang das Thema im Kleinen Schauspielhaus an der Kieler Straße. Der Niederdeutsche Bühnenbund Niedersachsen und Bremen (NBB) war mit einem Gesangsseminar zu Gast beim Theater am Meer. Unter dem Titel „A Star is born – Dein Weg zur Musical-Bühne“ hatte der musikalische Leiter des Theaters am Meer, Nikolas C. Ducci, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu eineinhalb intensiven Tagen rund um Stimme, Gesang und Musical eingeladen.
Der Leiter der Geschäftsstelle des Bühnenbundes, Herwig Dust, begrüßte 20 Teilnehmer aus den 17 Mitgliedsbühnen des Bühnenbundes in Aurich, Braunschweig, Brake, Bremerhaven, Brookmerland, Cuxhaven, Delmenhorst, Emden, Haselünne, Neuenburg, Norden, Nordenham, Oldenburg, Osterholz-Scharmbeck, Varel, Wiesmoor und Wilhelmshaven. Er betonte, dass sie alle in diesem Seminar die Chance haben, ihre Stimme weiterzuentwickeln und neue Erfahrungen für die eigene Theaterarbeit zu sammeln.
Ducci vermittelte zunächst wichtige Grundlagen der Stimmbildung und des Stimmtrainings. Dabei ging es unter anderem um Resonanztraining und die Frage, wie eine kräftige, tragfähige Stimme entwickelt werden kann. Auch die Funktionsweise von Rachen-, Mund- und Nasenraum spielte eine wichtige Rolle.
Doch natürlich blieb es nicht bei der Theorie: Im praktischen Teil wurde intensiv an Solo- und Chorgesang gearbeitet. Übungen wurden ausprobiert, Stimmen geschult und gemeinsam nach Möglichkeiten gesucht, das eigene stimmliche Potenzial besser auszuschöpfen.
Eine zentrale Botschaft des musikalischen Leiters des Theaters am Meer lautete dabei: „Es gibt keine Menschen, die nicht singen können. Es gibt nur Menschen, die sich bisher mehr oder weniger mit dem Singen beschäftigt haben.“ Wie eine Stimme klingt, sei zwar von Genetik und Veranlagung geprägt – ob man aber virtuos singen könne, sei vor allem eine Frage des Trainings.
Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer war das Seminar damit weit mehr als ein Ausflug in die Welt des Musicals. Es ging um ein wichtiges Werkzeug des Theaters: die eigene Stimme. Denn gerade die niederdeutschen Bühnen setzen zunehmend auf Musicals und musikalische Produktionen und damit auf Schauspielerinnen und Schauspieler, die nicht nur spielen, sondern auch singen können.
Arnold Preuß, Leiter des Theaters am Meer und Präsident des Niederdeutschen Bühnenbundes Niedersachsen und Bremen, unterstrich deshalb die Bedeutung solcher Weiterbildungsangebote: „Unsere Bühnen haben zunehmend musikalische Produktionen und Musicals auf ihren Spielplänen. Entsprechend groß ist der Bedarf an qualifizierter Weiterbildung. Seminare wie dieses geben unseren Mitgliedern die Möglichkeit, neue Impulse mitzunehmen und ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln.“
Nach eineinhalb intensiven Tagen fiel das Fazit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer entsprechend positiv aus. Und so wurde am Wochenende im Theater am Meer zwar noch nicht für die Premiere von „Sonny Boys“ gesungen – ein kleiner Vorgeschmack auf die musikalische Energie, die in der neuen Spielzeit auf den niederdeutschen Bühnen zu erleben sein wird, war es allemal.
