Arnold Preuß ist eine Instanz der Wilhelmshavener Theaterlandschaft.

Wo feiert ein Theaterverrückter wie Arnold Preuß wohl seinen 75. Geburtstag – natürlich auf der Bühne! An diesem Sonntag, dem 20. September, steht er in der Rolle des Komikers Willi Mick als einer der beiden „Sonny Boys“ in der gleichnamigen Kultkomödie im Theater am Meer auf den Brettern, die ihm die Welt bedeuten.

Vom Bühnenfieber infiziert
Dabei hat der Wilhelmshavener einst einen „ordentlichen“ Beruf erlernt und war als Diplom-Verwaltungswirt Beamter auf Lebenszeit im Dienste seiner Geburtsstadt. Allerdings hatte er erstes Theaterblut bereits 1964 geleckt. Da war er wegen des Stimmbruchs aus dem Schulchor geflogen und stattdessen in der Theater-AG gelandet. Und bekam in „Iwanov weiß sich zu helfen“ gleich die Hauptrolle.
Um so mehr infizierte ihn das Bühnenfieber ab 1973, als er erste Rollen bei der Niederdeutschen Bühne spielte. Immerhin derartig, dass er 1987 sogar dem Lockruf der Landesbühne Niedersachsen Nord folgte und dorthin als Verwaltungsdirektor wechselte.

Es sollten über zehn verrückte Jahre werden. Nicht nur, dass er an der Seite von Intendant Georg Immelmann auch selbst Rollen im Stadttheater spielte – als Amateur unbemerkt unter all den Profis mit mehreren großen Rollen wie bei „Die Caine war ihr Schicksal“. Preuß wurde schließlich in Personalunion sogar von 1996 bis 1998 sogenannter „interimistischer Intendant“.

Einsatz für niederdeutsches Theater
So quasi nebenher hatte der Unermüdliche inzwischen aber außerdem die Leitung der Niederdeutschen Bühne inne. Und da trat er 1988 mit einer mutigen Bitte an Regisseur Immelmann heran: ob der wohl bereit sei, auch mal etwas auf Platt zu inszenieren. Die Bühne wollte nämlich auf den Niedersächsischen Tagen 1989 in Wilhelmshaven Bertolt Brechts „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ aufführen – die Brecht-Erben ließen Aufführungen von Amateurbühnen nicht zu.Also brauchte man die Kooperation mit der Landesbühne. Immelmann zog mit und so würde es klappen, indes – für den Klassiker gab es gar keine niederdeutsche Fassung. Immelmanns Vorschlag: „Dann mach du die doch.“ Und das weltberühmte Volksstück wurde mit Preuß als Übersetzer und in der Rolle des Matti ein triumphaler Erfolg.
Mittlerweile hat Preuß über 70 Stücke ins Nordoldenburgische Platt übersetzt, darunter Klassiker und legendäre angelsächsische Komödien. Im Stadttheater aber taten sich allmählich immer mehr Probleme auf, denn die Niederdeutschen waren dort nur geduldete Gäste.

„Ganz nebenher“ noch Präsident
Nach einer Unterbrechung hatte Preuß gemeinsam mit Marion Zomerland 2003 inzwischen wieder die Bühnenleitung übernommen und 2010 gelang ihnen ein wahrer Glückstreffer: der Umzug in das eigene kleine „Theater am Meer“ in der Kieler Straße 63. Das sei zu einem Rundumerfolg geworden, denn sie Vorstellungen sind ausverkauft, es funktioniert ökonomisch und mit der Theaterschule für den Nachwuchs ist auch dieser gesichert.

Text und Bild: Wolfgang Niemann, NWZ – Online